Solidarität in der Krise
22.04.2020

Golf course closed 02

Der Lockdown, die Schliessung der Golfanlagen und damit ein vorübergehendes Berufsverbot für Golf Professionals trifft die Mitglieder der Swiss PGA hart. Playing Professionals möglicherweise noch härter als Teaching Pros. Letztere dürfen auf Bundeshilfe zählen. Die Swiss PGA hat nach Bekanntgabe der behördlichen Massnahmen und der Schliessung der Golfanlagen mit dem Seco in Bern Kontakt aufgenommen und die Entschädigungsmöglichkeiten für Golf Professionals abgeklärt. In der Folge konnte die Swiss PGA ihren Mitgliedern bereits Anfang April die Antragsformulare für Erwerbsausfallentschädigung sowie die Links zu den zuständigen kantonalen Behörden weiterleiten. «Dieser Service für unserer Mitglieder hatte oberste Priorität; ich denke, wir haben unsere Hausaufgaben gemacht», sagt Swiss-PGA-Präsident Keith Marriott. Dennoch ist für ihn klar, dass die staatliche Entschädigung nur ein Trostpflaster bzw. eine Mindestsicherung ist.

«Die Krise trifft uns in der Hochsaison», sagt Marriott. Die Monate März, April, Mai und bis Mitte Juni sind für Golflehrer in der Schweiz die lukrativsten. Die Nachfrage nach Golfunterricht ist zu Saisonbeginn am höchsten, flacht dann deutlich ab. Stunden, die in diesen Monaten nicht erteilt werden können, lassen sich im Rest der Saison – die auch in normalen Jahren nur 8 Monate dauert – nicht aufholen.

Marriott

Keith Marriott / President Swiss PGA

Dennoch sagt Marriott klar: «Wir sind sehr dankbar für diese Massnahmen des Bundes; im Gegensatz zu unseren englischen Kollegen beispielsweise bekommen wir zumindest einen Beitrag an unsere Fixkosten, können Miete, Krankenkasse und Lebensunterhalt bestreiten.» Der Präsident der Swiss PGA wünscht sich, dass nach überstandener Corona-Krise der Status der Teaching Professionals in den Clubs neu überdacht wird.

«Die meisten Golflehrer arbeiten auf eigene Rechnung, sie müssen Sozialversicherungen und dergleichen selbst abrechnen und in der Regel für die Nutzung der Infrastruktur eine Entschädigung an den Club zahlen», sagt Marriott. «In einer solchen Krise wird nun überdeutlich, wie viel eine Festanstellung bei einem Club wert wäre.» Für die selbständigen Teaching Professionals werde nicht nur die Saison 2020 – wenn sie denn endlich beginnt – hart, sondern vor allem der Winter 2020/21 zu einer Herausforderung. «Das finanzielle Polster, das man sich als Selbständiger in den ersten drei Monaten einer Golfsaison schaffen kann, wird in den Wintermonaten fehlen», so Marriott.

Besonders hart trifft der Lockdown die Playing Pros. Auch für diese ist der aktuelle Zeitpunkt der denkbar ungünstigste Moment für einen Saisonunterbruch. «Die Superstars haben ihre Sponsorenverträge unter Dach und Fach, aber unsere Swiss PGA Playing Professionals müssen um jeden Sponsorenvertrag hart kämpfen. Häufig wollen potenzielle Sponsoren die ersten Saisonturniere abwarten, ehe sie einen Vertrag vorlegen», weiss Marriott. Es sei hierzulande üblich, Sponsorenverträge erst im März oder April zu unterzeichnen – «doch welcher Sponsor will Geld überweisen, wenn unklar ist, wann sein Athlet wieder spielen kann?», fragt Marriott. Der Swiss-PGA-Präsident weiss von mehreren Playing Professionals, die sich aktuell in einer solchen Warteposition befinden. Umso ärgerlicher, als die Schweizerinnen und Schweizer im Februar und den ersten März-Wochen gut in die Saison gestartet sind – praktisch von jedem Turnier gab’s eine Erfolgsmeldung. «Ganz bitter ist dieser Saisonunterbruch für jene Professionals, die kurz vor dem Lockdown ihr ‚Momentum’ hatten, so wie beispielsweise Jeremy Freiburghaus, der in Marokko seinen ersten Sieg bei den Pros feierte», sagt Marriott. Statt dieses «Momentum» für weitere Spitzenklassierungen oder gar Siege nutzen zu können, ist Freiburghaus nun wie alle andern Pros zu «Home Office» verdonnert. Zu Hause in Bonaduz hält er sich mit Athletik- und Techniktraining fit und drischt im heimischen Garten Bälle ins Netz.

Range Closed

Sich zu Hause fit halten, im Garten Bälle in Netze schlagen, im Wohnzimmer auf Matten putten und all das im Internet posten – im Moment sieht der Alltag für die meisten Pros ähnlich aus. Das Internet, vor allem Social Media, sind in diesen Wochen wichtiger denn je. Über diese Kanäle halten nicht nur Playing Pros ihre Fans auf dem Laufenden, auch Teaching Pros nutzen diese Plattformen um mit ihren Kunden in Kontakt zu bleiben. So wie Swiss PGA Präsident Keith Marriott, der via Social Media Trainingstipps für zu Hause weitergibt. Oder Russell Warner und Roberto Francioni, die eine 28-Days-Golf-Challenge lancierten und jeden zweiten Tag Trainings-Videos posteten. Oder die Elite Coaches von Swiss Golf, welche über die Verbandskanäle laufend Inspirationen fürs Golftraining in den eigenen vier Wänden liefer(t)en. Grosses Engagment legte beispielsweise auch Mario Caligari an den Tag: Der auf der «international best list» von «Golf Digest» gelistete Headpro des GC Bad Ragaz erarbeitete acht Übungsblätter mit einfachen Golf@Home-Übungen, die er seinen Kunden per E-Mail zuschickte. Marriott überrascht das Engagement seiner Kollegen nicht: «Für uns ist das nicht einfach ein Job, Golf ist unsere Passion – deshalb suchen wir immer Wege, unser Wissen weiterzugeben.»

Dies gilt nicht nur für die Swiss PGA Mitglieder, sondern für Golflehrer und Coaches rund um den Globus. «Die ganze Golfwelt ist im Lockdown, und nun spüren wir eine riesige Solidarität innerhalb der Pro-Community», sagt Marriott. «Die besten Coaches der Welt – unter anderem Butch Harmon und David Leadbetter – teilen in dieser schwierigen Zeit ihr Wissen übers Internet. Kostenlos. Diese vielen Webinare und diese Fülle an geteiltem Fachwissen sind für mich unglaubliche Erlebnisse. So etwas gab es noch nie», sagt Marriott. Auch die Swiss PGA hat in den vergangenen Wochen zwei Webinare organisiert, weitere werden folgen. «Es geht auch darum, unseren Mitgliedern Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man Golf gross machen und neue Mitglieder gewinnen kann.»

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